Kontakt | Impressum kultig.at

ORF online, 18.9.2013

Koschuh malt im Treibhaus schwarz

„Schwarzmalen“ nennt der Kabarettist Markus Koschuh sein neues Programm, das derzeit im Treibhaus in Innsbruck spielt. Darin fördert er allerhand Dunkles zu Tage – von den Seelenschmerzen eines Kabarettisten bis hin zu politischen Themen. Markus Koschuh hat sich die Latte des Erfolgs hoch gelegt: In Agrargemein brillierte er mit bestens recherchierten, ins Groteske übersetzten Fakten. Jetzt beackert er unter beträchtlichem Erfolgsdruck das weite Feld der Vorwahlzeit und präsentiert eine Politrevue, in der er gern in fremde Häute schlüpft. Hier gibt es einiges zu persiflieren, was Koschuh zielsicher macht. - „Dankbar für Typen“ - „Es gibt ein paar Personen in der Tiroler Politik, die sich sehr gut persiflieren lassen. Um diese Typen bin ich als Kabarettist dankbar, als politischer Mensch aber schon weniger,“ so der Kabarettist. Dass er etwa Landtagspräsident Herwig van Staa besonders gern aufs Korn nimmt, zeigt er auch im neuen Programm „Schwarzmalen“. Aber auch ein Wahlwerber taucht auf, der reichlich Stoff für Pointen bietet: Frank Stronach. Schwarzmalen ist ein tagesaktuelles Programm, das viel Typisches aus dem Alltagsirrsinn filtert. Wie Koschuh aber das Publikum einen Abend lang im Griff hat, nötigt Respekt ab.

 

 

Kronen Zeitung, 7.9.2013

Treibhaus: Premiere des neuen Koschuh-Programms - Ins Schwarze getroffen

Mit „Agrargemein“ landete Kabarettist Markus Koschuh im Vorjahr den ganz großen Hit. Sein neues Programm „Schwarzmalen“ feierte Donnerstag im Treibhaus in Innsbruck Premiere. Koschuh nimmt darin verschiedene Ziele ins Visier – und er trifft souverän ins Schwarze. Wenn Markus Koschuh einen Kunstfehler sehen will, dann legt er sich nicht ins Krankenhaus, sondern besucht das Museum am Bergisel! Die Landespolitik bekommt im neuen Programm ebenso ihr Fett ab wie Finanzministerin Maria Fekter oder Onkel Frank aus der „Steirmork“. Priestermangel (Koschuh mimt genial den Missionar aus Afrika) und Bildungsbankrott, Ausländerhass und schwarz-grüner Alltag im Landtag – der Kabarettist malt uns eine düstere Zukunft. Eine, über die Donnerstag Abend im Treibhaus herzlich gelacht wurde. Koschuh hat sich die Latte mit „Agrargemein“ hoch gelegt. Mit „Schwarzmalen“ beweist er, dass er über eine gute Sprungkraft verfügt. Claudia Thurner

 

 

18.2.2012

 

 

10.2.2012

 

 

3.2.2012 - Tiroler Tageszeitung

"Statt Ortstafeln a bissl Grund verschobn" – Kabarettist Markus Koschuh teilt im Treibhaus unter dem Titel "Agrargemein" anständig aus

Gleich vorneweg: Matschige Tomaten und faule Eier gibt es für den Kabarettisten Markus Koschuh bei der Premiere seines bitterbösen Programms "Agrargemein" keine – vielmehr Lachsalven und Szenenapplaus. Für Begeisterungsstürme sorgt der von ihm verkörperte Guerilla der BBA (Bäuerliche Befreiungsarmee Agrar), in dessen Patronengürtel Kartoffeln stecken.

Anzunehmen, dass einem Mann im Publikum aber nicht zum Lachen zumute war. Realsatire ist weniger witzig, wenn man sie am eigenen Leib erlebt. Josef Guggenberger, ehemaliger Vorstand der Agrarbehörde, der mit dem "Fall Mieders" die Agrar-Causa ins Rollen brachte und sich daraufhin, aus seiner Sicht, mit "systematischem Mobbing" konfrontiert sah, ließ sich die humoristische Aufbereitung dennoch nicht entgehen. Dass Koschuhs Programm, in dem er die Agrarier gehörig auf die Schaufel nimmt, politischen Zündstoff birgt, ist dem Besucher rasch klar, wenn er den Blick durch die Reihen gleiten lässt. Bürgerforum-Chef Fritz Dinkhauser hat sich ebenso eingefunden wie Georg Willi von den Grünen. Zudem mischen sich Hanns-Peter Adami, einstmals Boss des Agrarmarketings, und Fritz Hakl, Ex-Chef der Raiffeisenlandesbank (RLB), unters Volk.

Neben den üblichen Verdächtigen aus der Kulturszene werden aber auch Jungbauern gesichtet, die sich ins Fäustchen lachen. Zweifel, ob es Koschuh gelingen würde, den recht komplexen Sachverhalt auf den Boden zu bringen, zerstreuen sich rasch. In seinem schlauen Lexikon findet sich nämlich eine ebenso simple wie absurde Erläuterung von Tirols Streitthema Nummer eins. Als "atypisches Eigentum" bezeichnet der Kabarettist den Umstand, dass jemandem (den Gemeinden) ein Besitz weggenommen wird und anderen (den Agrariern) übertragen wird, die dann den Gewinn abschöpfen.

Mit zahlreichen umgetexteten Liedern (Koschuh muss sich als Sänger nicht verstecken) transportiert der Kabarettist seine Botschaft: Es sind die Agrarier, es sind die da oben, die es sich seit Jahrzehnten richten. Eine reduzierte Anklage, die so an einem Stammtisch fallen könnte, wenn dort nicht wiederum die Bauern sitzen würden.

Landtagspräsident Herwig van Staa ist ebenfalls anwesend, allerdings als perfekte Parodie auf der Bühne. Er spricht den Agrariern Mut zu. Ein Bauernvertreter, der zugleich Bürgermeister ist, tritt auf, um das Schicksal eines verarmten Bauern zu beklagen und dem Spielsüchtigen aus der Patsche zu helfen, gemäß dem Agrarier-Motto "Wir sind nicht da, um über jemanden zu richten, sondern es den Unsrigen zu richten".

Höhepunkt des Abends, der von Yvonne Kathrein auf der Harfe begleitet wird (Licht Tom Neumayr), ist die Rede eines Vertreters der Kärntner Landmannschaft. Er gibt den Agrariern wegen konsequenten Ignorierens der Urteile des Verfassungsgerichtshof (VfGH) den Pokal "VfGHhahaha" weiter. "Wir haben nur die Ortstafeln verschoben, ihr aber habt a bissl Grund verschoben. Wir haben nur die Slowenen beschissen, aber ihr bescheißt eure eigenen Leute", erklärt er. Auch LH Günther Platter bekommt sein Fett ab. Seine Stellungnahme: eine leere Seite. LR Anton Steixner wird mit dem schmachtenden "Toni, Toni" (ursprünglich Angie) besungen. Ein Programm voller Witz, ein Feuerwerk an Ideen, bei dem es einem wie Schuppen von den Augen fäl

 

 

 

 

3.2.2012 - Kronen Zeitung

Koschuh zeigt Spitzenkabarett made in Tirol – "Agrargemeine" Polit-Show

Das Innsbrucker Treibhaus präsentierte am Mittwoch mit der Premiere von Markus Koschuhs "Agrargemein" spitzzüngige Polit-Satire auf höchstem Niveau. Mutig packte er das Thema Agrargemeinschaften an und teilte ungebremst und faktenreich aus.

Für politisches Kabarett das berührt, aufregt, amüsiert und den Nerv des Publikums trifft, muss man nicht in die ferne Hauptstadt blicken. Funktionierende Polit-Satire lebt vor allem vom Künstler und funktioniert nicht erst ab der Ministerebene! Das beweist Markus Koschuh und nimmt sich der heißen "Tiroler Kartoffel" Agrargemeinschaften an. Das trockene Thema, das fast nur noch einfallsreiche Winkeladvokaten zu durchblicken scheinen, wird in Koschuhs "Agrargemein" lebhaft illustriert. Die scharfzüngige "Rundumwatschn" für Politik, Kirche, Anwälte und natürlich Agrarier gelingt. Er hält ihnen gelungen den Spiegel vor - mit viel schwarzem Humor.

Pointenreiche Sketche reihen sich an scharfzüngige Liedtexte und Parodien. Die Premiere am Mittwoch war bereits von Oppositionspolitikern gut besucht. Vielleicht beweist auch die VP-Riege bald, dass sie über sich selbst lachen kann. Koschuh liefert Spitzenkabarett "made in Tirol".

 

 

1.2.2012 - Tiroler Tageszeitung

Eine Frage der Gerechtigkeit

Markus Koschuh mag feine, alte Ohrwürmer. Als Kabarettist Koschuh ist er weniger sanft unterwegs. Sein Programm "Agrargemein" hat am 1. Feber Premiere.

Ein Bauernbundobmann mit Erklärungsbedarf. Rechtsanwälte, die auf gut Glück Honorarnoten verschicken. Ein Beamter, der in die Pension gemobbt wird. Agrarier als Grundstücksspekulanten. Der Innsbrucker Kabarettist und Poetry-Slam-Spezialist Markus Koschuh hat sich die Tiroler Agrargemeinschaften vorgeknöpft. Die TT traf ihn zu einem Gespräch über sein neues Programm.

Sie hielten ein Café in Innsbruck nicht gerade für einen geeigneten Treffpunkt.

Markus Koschuh: Ein Stehkaffee im Bauernbund wäre sicher auch nett gewesen. Dort hat das Thema Agrargemeinschaften ja angefangen und jetzt will man davon nichts mehr wissen und bezeichnet die anderen als Hardliner.

Wem gehört Tirol?

Koschuh: Die Frage ist eigentlich sehr leicht zu beantworten. Allen. Nicht nur den Tirolerinnen und Tirolern, sondern allen, die in Tirol leben. Das hat nichts mit Kommunismus, sondern mit Gerechtigkeit zu tun. Auf jeden Fall gehört Tirol nicht nur ein paar wenigen.

Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Koschuh: Ich bin schon vor Jahren auf die Agrargemeinschaften gestoßen. Allerdings war mir das Thema für die Bühne zu kompliziert. Ich habe es aber nie in irgendeine Schublade gegeben und jetzt die Herausforderung gesucht. Es ist ein erklärendes Kabarett geworden, das seine komischen und witzigen Seiten hat. Man wird nach dem Programm gscheiter hinausgehen.

Was erwartet das Publikum?

Koschuh: Es wird ein Bildungskabarettprogramm mit volksmusikalischen Einlagen unter Beimischung harter Fakten. So könnte man das Programm am ehesten umreißen. Die Nummern werden Einblicke in die Agrargemeinschaften geben, nicht in die bäuerliche Welt. Dieser Unterschied ist mir ganz wichtig. Das Programm ist nicht gegen Bauern. Es ist ein Programm gegen die Agrargemeinschaften, die es sich über die Jahre hinweg gerichtet haben und sich mitunter schamlos wie in Mieming bedient haben. Da sind Dinge passiert, die glaubt man außerhalb von Tirol gar nicht. Eine Familie eines ehemaligen Agrarobmanns etwa hat innerhalb von ein paar Jahren drei Millionen Euro Gewinn macht. Ich kann nicht Grund um 8,70 Euro kaufen und um 340 Euro pro Quadratmeter verkaufen. Jeder normal denkende Mensch will das nicht mehr verstehen.

Was meinen Sie mit volksmusikalischen Einlagen?

Koschuh: Ohrwürmer der volksmusikalischen Tiroler Geschichte, neu getextet und von mir gesungen. Eine volksmusikkundige Person wird mit auf der Bühne sein. Wer, das ist eine Überraschung. Vielleicht werden wir auch die Landeshymne einbauen, auch wenn sie noch so krude gesetzlich geschützt ist.

Momentan ist der Begriff "Wutbürger" in aller Munde. Darf oder soll ein Kabarettist ein Wutbürger sein?

Koschuh: Zum Selbstverständnis eines Kabarettisten gehört Mut. Ich war während der Recherche viel in Tirol unterwegs und habe mit vielen Leuten geredet. Wenn ich von 90 Prozent der Leute, die mir gewisse Dinge erzählen, höre: "Aber das haben Sie nicht von mir", dann herrscht Angst vor der Obrigkeit und vor persönlichen Nachteilen. Das kann's nicht sein. Ein Kabarettprogramm ist immer auch politisch. Und ein Kabarett ist immer gegen den Mainstream gerichtet. Wenn man im Kabarett nicht mehr mutig ist, muss man es lassen.

Wo haben Sie recherchiert?

Koschuh: Im Oberland, im Außerfern. Im Unterland gibt es nicht so viele Agrar-Hotspots wie im Oberland.

Haben Sie offene Türen vorgefunden?

Koschuh: Die Leute wollen wirklich, dass ich die Umstände der Recherche für mich behalte. Aber ich habe mit Leuten gesprochen, die sich sehr profund mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Auch Agrarobmänner waren dabei.

Schreiben Sie Ihr Programm komplett selbst?

Koschuh: Das ist mein Anspruch. Der eigene Sprachduktus ist bei einem Kabarett sehr wichtig. Ich weiß, wie ich rede, ich weiß, wie ich Sachen lese. Wenn ich mich in ein Thema reinbeiße, dann funktioniert das Schreiben auch. Natürlich habe ich Leute von außerhalb, die sich das Programm anschauen. Einen Pointenschreiber brauche ich nicht, noch fallen mir die Sachen selber ein. Agnes Mair hat mich bei diesem Programm begleitet. Harald Windisch hat mir schauspielerisch schon einige Tipps gegeben.

Als Österreichs amtierender Poetry-Slam-Meister planen Sie neue Projekte an Schulen.

Koschuh: Wir sind ja mit "Text ohne Reiter" schon länger an Schulen. Anfang März startet das Projekt "Tirol goes Poetry". Wir machen mit Mitgliedern der Szene einen Schwerpunkt an Tirols Schulen. Eine Woche nach dem Workshop gibt es einen Schul-Poetry-Slam. Aus jeder Klasse treten dann ein, zwei Leute an und rittern um die Krone des Poetry Slam.

Wird man Sie außerhalb von Tirol sehen?

Koschuh: "Agrargemein" ist ein reines Tirolprogramm. Aber wer weiß? Ich habe vom ehemaligen Landeshauptmann van Staa eine Visitenkarte, auf der er in ein paar Zeilen Fritz Staudigl anregt, sich um einen Auftritt in Brüssel zu bemühen. Bisher war die Ausrede, dass da oben nur bildende Kunst gezeigt wird.

Der Sprung nach Wien?

Koschuh: In Wien, der Kabarettstadt, möchte ich erst auftreten, wenn ich mir ganz, ganz sicher bin. Ich will als Kabarettist nicht auf irgendeiner Bühne stehen, sondern mich nach oben orientieren. So ein Auftritt ist wie das erste Mal eines Jugendlichen, der sich für die große Liebe aufbehält.

 

 

Tiroler Tageszeitung, 4. 6. 2011

Im tosenden Wörtermeer

Poetry Slam lockt das junge Publikum an, dient als Sprungbrett für diverse Karrieren und beschäftigt neuerdings die Germanistik. In Innsbruck stehen die kommenden Tage ganz im Zeichen der Performance-Dichter.

Von Sabine Strobl

Innsbruck – Als der Literatur-Performer Marc Smith in den Achtzigerjahren in Chicago die ersten Poetry Slams veranstaltete, hielt er herkömmliche Lesungen für ein Auslaufmodell. Der Live-Moment in der Literatur sah jetzt anders aus: Die Leute kletterten mit ihren eigenen Texten auf die Bühne, stellten ihr Vortragstalent in wenigen Minuten unter Beweis und ließen sich vom Publikum schön basisdemokratisch zum Sieger oder Flop wählen. Wasserglaslesungen gibt es zwar immer noch, doch die Bewegung der Dichterwettkämpfe hat sich als Teil der Popkultur über den Erdball ausgebreitet und füllt Dorflokale ebenso wie Großstadthallen. Wie die Veranstalter der heurigen deutschsprachigen Slam-Meisterschaften, die im Oktober in Hamburg stattfinden, mitteilen, rechnen sie sogar mit 15.000 Zuschauern. 300 Poeten und Slammer haben sich bereits angemeldet. Auch in Innsbruck ist in den vergangenen Jahren dank Markus Köhle und den Leuten von „Text ohne Reiter“ ein gutes Pflaster für Poetry Slams entstanden. In den kommenden Tagen gibt es etwa im Treibhaus eine Poetry Show und der deutsche Literaturperformer Frank Klötgen tritt seinen Dienst als Writer in Residence an.

„Das Live-Erlebnis ist den Leuten wichtig geworden. Ich lebe seit 2008 von meinen Gedichten“, meint Klötgen gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Er sieht seine Wurzeln eindeutig im Poetry Slam, auch wenn er sich heute als „klassischen Reimer“ beschreibt. Performte Literatur ist zur Abendunterhaltung geworden, die Elemente des Theaters und der Kleinkunst mit einbezieht. Für ihn ist Slam Poetry nicht nur ein Live-Erlebnis. Die Texte, ergänzt mit Hörproben, gehörten zu Papier gebracht. Klötgen: „In den Texten steckt einiges, das beim Hören vorbeirauscht. Aufgeschrieben können sie auch von anderen verwendet werden.“

Mittlerweile sind die Dichterschlachten – samt Lyrik, Lautpoesie, Kabarett, Comedy und Kürzestgeschichten – auch ein Thema in Deutschdidaktik geworden. Die in New York lebende Germanistin Petra Anders beschäftigt sich mit Poetry Slam im Deutschunterricht und hat u. a. den Band „Slam Poetry. Texte und Materialien für den Unterricht“ (Reclam) herausgebracht. Es sei dahingestellt, ob die zahlreich stattfindenden Workshops ein Mittel gegen die kursierende Leseschwäche ist. Den Erfahrungen der Kursleiter nach springen die Jugendlichen auf den Zug Slam Poetry auf. „Ihre Themen sind Liebe, Reisen, Sehnsucht, Krieg und Hunger“, fasst Anders zusammen. Natürlich seien die Texte der Jugendlichen oft plakativ, aber im Unterricht könnte man zur Vertiefung ansetzen und Geschichte, Politik und Ethik mit einbeziehen. Wie sie herausgefunden hat, schätzen die Schüler an Poetry Slams das Gemeinschaftsgefühl, einfach drauflosschreiben zu können, die künstlerische Freiheit, Alltagsthemen wählen zu können und das echte Publikum, dem sie ihre Texte vortragen. Auch der Innsbrucker Kabarettist Markus Kozuh, amtierender Poetry-Slam-Meister Österreichs, bringt seine Erfahrungen in Workshops ein. Es geht nicht nur um Tipps für Wortspiele, sondern auch um Körpersprache, Tempo und den Umgang mit der Stimme. „Für viele ist Poetry Slam ein Sprungbrett ins Kabarett, Schauspiel, aber auch in die Literatur“, sagt Kozuh.

Poetry Slam lässt wegen seiner Ausrichtung auf Klang auch an Hip-Hop denken. Doch die Slampoeten wollen, im Gegensatz zum aggressiveren Hip-Hop, eine Brücke zum allgemeinen Publikum bauen, findet die Germanistin Anders. „Poetry Slam ist eine Leidenschaft“, meint Kozuh. „Spontanität gehört zum Poetry Slam immer dazu“, sagt Martin Fritz, der mit anderen Literaturwissenschaftern Frank Klötgen nach Innsbruck eingeladen hat. „Das Schöne an Slam Poetry ist, dass die Texte nie fertig werden“, erläutert Fritz, sie können jederzeit aus dem Computer geholt und weitergebaut werden. Für den nächsten Poetry Slam.

 

 

6020, Ausgabe April 2011

Im Schatten der Sprossenwand

Markus Kozuh alias „Der Koschuh“ ist Poetry-Slammer der ersten Stunde, Kabarettist und neuerdings auch Schauspieler. Ein Gespräch über den deutschen Slam-Hype, Versagensängste und Literatur am Land.

Interview: Barbara Wohlsein. 6020:

Wie ist es, zum ersten Mal Theater zu spielen?

Spannend und lehrreich. Florian Hackspiel, der Regisseur von „Ein Mädchen wie das Sternenbanner“, ist auf mich zugekommen – ein ziemlicher Vertrauensvorschuss. Bei den Proben habe ich auf jeden Fall Demut vor dem Beruf gelernt. Es kommt auf Nuancen an, ob man einem die Rolle abnimmt oder nicht. Florian kann zum Glück extrem gut vermitteln, was er als Regisseur will.

Versagensängste?

Täglich, stündlich. Im Ernst: Ich mag das Prinzip „Learning by failing“. Nur wenn man etwas macht, wovor man Respekt hat, wird man besser und lernt aus den Fehlern. 

Wie schwer war es, den Kabarettisten in dir in Zaum zu halten?

Obwohl das Stück eine Komödie ist, musste ich mich schon ziemlich einbremsen. Als Schauspieler bist du in deiner Rolle „gefangen“ – positiv wie negativ. Das war am Anfang eine Umstellung. Auch zu dritt auf der Bühne zu stehen und bei den Dialogen zu interagieren, war für mich als Solokünstler ein Lernprozess, der aber extrem Spaß gemacht hat. Ich habe auf jeden Fall Blut geleckt. 

Wie aktiv bist du derzeit als Poetry-Slammer?

Das Herumreisen habe ich vorübergehend reduziert, in Innsbruck bin ich weiterhin aktiv. Im Juni geht’s dann wieder nach Norddeutschland. Das Reisen will ich mir auch nicht nehmen, weil’s Spaß macht und man viele Leute wiedersieht. 

Wie populär sind Poetry Slams in Deutschland?

Es gibt derzeit einen extremen Hype. Durch die gute Nachwuchsförderung über Schulworkshops gibt es viele junge Talente. Vor kurzem war ich bei einem Poetry Slam im Opernhaus von Hannover und bin da vor 1200 Menschen gestanden – ein Wahnsinnsgefühl. Von solchen Momenten zehrt man sehr lange. Trotzdem ist der Boom gefährlich: Für die nächsten deutschsprachigen Slam-Meisterschaften wurde in Hamburg eine Halle für 5000 Menschen angemietet – das stellt sich schon die Frage, ob das Ganze nicht bald implodiert. 

Was sind Poetry Slams –Literatur oder Show?

Ich glaube schon, dass eher ein guter Text gewinnt, als jemand, der sich mit Show „drüberschwindelt“. Das Publikum kann da sehr wohl unterscheiden. 

Wie viel Arbeit investierst du in deine Texte?

Das kommt darauf an, einer meiner besten Texte ist in einem halbstündigen Schreibanfall im Café Central entstanden. Ich verwerfe aber auch viel, lass Sachen liegen, komm darauf zurück – mittlerweise ist der Stapel an Textblättern in meiner Wohnung einen knappen Meter hoch. Und es wird noch mehr: Im Laufe des Jahres kommt mein erster Erzählband. Auch das wird spannend, weil es da nur um das Wort auf dem Papier geht, ganz ohne Effekthascherei. 

Poetry-Slam-müde?

Zwischendurch gibt es schon Phasen, wo man sich denkt, ach wie mühsam, immer das gleiche ... trotzdem kann ich mir nicht eine Sekunde lang vorstellen, aufzuhören. Dieser Reiz, in fünf Minuten die verschiedensten Publikumsreaktionen hervorzurufen: Lachen, Stille, Erschrecken. Vielleicht werde ich ja einmal der älteste Slammer des Landes. 

Wie ist der typische Slammer?

Ich würde die „Slamily“, so nennt man die Community, so beschreiben: 95 Prozent extrem sympatisch, drei Prozent haben ADHS und zwei Prozent sind Arschlöcher – eine super Quote. 

Wie ist generell das Interesse in Tirol?

Toll. Auch abseits von Innsbruck. Zum Beispiel waren wir bei einem Poetry Slam in Flirsch, den der umtriebige Kulturverein dort organisiert hat. Da stehst du dann in der Turnhalle der Volksschule, neben dir die Sprossenwand und die Flirscher kommen gerade vom Maskenschnitzen und fragen: „A Släm? Was ischn des?“ 

Und in Innsbruck selbst?

Da haben wir zum Glück die Bäckerei, die nach der Bierstindl-Schließung einiges aufgefangen hat. Die Slams dort sind immer voll, aber nicht zu groß, genau so soll es sein. Erfreulich ist auch die Offenheit im städtischen Kulturamt: Neue Ideen stoßen dort auf offene Ohren – das war nicht immer so. 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Tiroler Tageszeitung, 17.3.2011

Vom Solisten zum Teamplayer

"Ich fiebere meinem Schauspieldebüt entgegen wie ein schwer Grippekranker dem erlösenden Wadenwickel." So bringt es Markus Kozuh, Vize-Europameister im Poetry Slam und normalerweise als Solokünstler unterwegs, auf den Punkt. Heute, 20 Uhr, wird "Der Koschuh" als Norman im Stück "Ein Mädchen wie das Sternenbanner" auf der Bühne stehen. Die Aufführung findet im Haller Lobkowitztheater statt, Regie führt Florian Hackspiel. Kozuh, der keine Ausbildung als Schauspieler hat, außer, dass er den Leuten gerne etwas vorspielt, hat bei den Proben viel gelernt.

Auch die Unterschiede zwischen seiner bisherigen Tätigkeit und der neuen Aufgabe sind ihm dabei bewusst geworden: "Als Kabarettist kann ich mit dem Publikum kokettieren und aus der Rolle heraustreten, als Schauspieler ist das nicht möglich", so Kozuh. Außerdem habe er sich erst das Bühnendeutsch aneignen müssen. Gegenüber dem Lampenfieber überwiegt aber die Vorfreude. "Wir haben so viel geprobt, jetzt muss es einfach hinaus", brennt er schon auf seinen Auftritt.

Das Stück von Neil Simon ist rasant und reflektiert ein komplziertes Beziehungsgeflecht. Zwei Männer, Wolfgang Oliver die zweite männliche Hauptrolle, gründen in den 60er Jahren ein Protestmagazin. Dann tritt eine Frau (Amarilla Ferenczy als Sophie) in ihr Leben und stellt alles auf den Kopf. "Ich muss mich als Norman nicht so verstellen. Ich renne in der Rolle einer Frau hinterher, die nichts von mir wissen will. Ich transferiere also meinen reichen Erfahrungsschatz ins Theater", sagt "Der Koschuh" mit einem Schmunzeln.

Eigentlich wollte der Kabarettist die weibliche Hauptrolle spielen, aber Regisseur Florian Hackspiel hat abgewunken. Kozuh wird auf seine Gage verzichten und sie zur Gänze dem Projekt "Koschuhs Sommerurlaub 2011" spenden. Wo es hingehen wird? "Wer weiß, vielleicht komme ich nur bis in den Luftkurort Igls", so Kozuh. 

 

 

Krone, 20.12.2010

Erfolg für Markus Kozuh

Die erste offizielle Europameisterschaft im Poetry Slam im französischen Reims (15.-16.12.) brachte dem Vertreter Österreichs, dem Innsbrucker Autor und Kabarettisten Markus Kozuh, einen Riesenerfolg ein: Kozuh wurde von der Jury knapp hinter der Schweizerin Lara Stoll zum Vize-Europameister gekürt. Poetry Slam ist ein Lesen und Inszenieren von Textet - erlaubt ist dabei alles, was Text und Stimme her zu geben vermögen. Markus Kozuh ist ein Großmeister darin. Das ist jetzt bestätigt!

 

 

Tiroler Tageszeitung, 18.12.2010

Vize-Europameister Markus Kozuh

Reims – Die 23-jährige Winterthurerin Lara Stoll hat die erstmals ausgetragene Europameisterschaft im Poetry Slam gewonnen. Die Europameisterschaft fand im Rahmen des Festivals „Reims scènes d‘Europe“ statt. Auf Platz zwei landete der Innsbrucker Kabarettist und Autor Markus Kozuh, dritter wurde Youness Mernessi aus Belgien. Der gesamte Wettbewerb wird ab dem 23. Dezember auf der Internetseite des TV-Senders arte gezeigt. Dort können dann die Besucher der Seite ihren Favoriten küren. (APA, AFP, TT)

 

 

Tiroler Tageszeitung, 15.12.2010

Ein Vögelchen sucht ein Nest

Innsbruck, Reims – „Die Stimmung ist hier echt toll“, sagt Markus Kozuh am Telefon. Der Innsbrucker Kabarettist und Wortkünstler ist einer der zwölf Semifinalisten, die derzeit an der 1. europäischen Poetry-Slam-Meisterschaft in Reims teilnehmen. Die Bühnenliteraten kommen aus Italien, Ungarn, Belgien, Großbritannien, Litauen, Estland, Portugal, Frankreich, Schweden, Deutschland und der Schweiz. Drei Minuten haben die Wort-Performer Zeit, ihren Text ans Publikum zu bringen. Einziges Hilfsmittel ist das Mikrofon. Markus Kozuh, österreichischer Poetry-Slam-Meister, will sich spontan entscheiden, welchen Text er aus seiner mitgebrachten Mappe auswählt. „Es soll ums Wortspiel und ums Schreiben eines Textes an sich gehen. Ich habe eine Ode an den Frühling dabei, die sich in eine Antiode verwandelt. Ein anderer Text handelt von Asylpolitik, den könnte ich derzeit in ganz Europa vortragen. Da sucht ein Vögelchen ein Nest“, erzählt Kozuh. Er hat seine Texte ins Englische übersetzt und übersetzen lassen und lacht: „Damit mich ein paar Leute verstehen.“ Nach Frankreich angereist ist auch der Amerikaner Marc Kelly, der Mitte der 1980er Jahre das Poetry-Slam-Format in Chicago eingeführt hat. Markus Kozuh beschreibt Poetry Slam als ein junges Format, das durch die Möglichkeiten der Performance Zugang zur Literatur schafft. Er selbst ist über Poetry Slam zum Kabarett weitergewandert. Und was sagt Markus Kozuh, der sich selbst als Vertreter aus dem PISA-Test-Verliererstaat Österreich bezeichnet, zum heimischen Lesedebakel? „Mich wundert das Ergebnis nicht. Es braucht vor allem Zeit, um Begeisterung für Texte zu wecken. Vielleicht müsste man die Initiativen einzelner Menschen, die es in Österreich natürlich gibt, viel mehr bündeln.“ Er selbst arbeitet derzeit an einem Buchprojekt, das die besten Bühnentexte im deutschsprachigen Raum versammelt. Der Erlös des Buches geht an die Stiftung Lesen.

Aber jetzt isst Kozuh das Brötchen, das ihm Slamer Pietro Tartamella brachte. Konkurrenzdenken gibt es bei dieser Meisterschaft nicht.

 

 

Tiroler Woche, 14. Oktober 2010

Ein Meister des Mitreißens

Der Innsbrucker Autor und Kabarettist Markus "Der Koschuh" Kozuh darf sich über einen weiteren Erfolg in seiner Karriere freuen: Bei der österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaft in Bozen, die im Rahmen des Bozner "transart"-Festivals stattfand, wurde Kozuh mit seinen Texten "Ich bin non-normkonform", "Liebestextbrief" und "Ich bin müde" zum Sieger gekürt. Der Innsbrucker wird im Dezember Österreichs Vertreter bei der europäischen Poetry-Slam-Meisterschaft im französischen Reims sein. Poetry Slam ist ein Lesen und Inszenieren von Texten um die Gunst des Publikums.

 

 

Tiroler Tageszeitung, 12.10.2010

Meister der Bühnen-Poesie

Bozen - Der Innsbrucker Autor und Kabarettist Markus Kozuh alias "Der Koschuh" hat bei der österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaft, die von 8. bis 9. Oktober in Bozen im Rahmen des "transart"-Festivals stattfand, den Sieg davongetragen. Er brachte seine Texte "Ich bin non-normkonform", "Liebestextbrief" und "Ich bin müde" auf die Bühne. Platz zwei und drei belegten Stefan Abermann und Mathias Vieider, insgesamt haben 24 Autorinnen und Autoren an der Meisterschaft teilgenommen.

Kozuh wird Österreich im Dezember bei der europäischen Poetry-Slam-Meisterschaft im französischen Reims vertreten, morgen Mittwoch tritt er in der Innsbrucker SoWi (20.15 Uhr) auf.

 

 

Bezirksblatt Imst, 1.12.2010

Der Koschuh begeisterte

Ihr kommen nicht zu bereuen brauchten die Besucher der Kabarettlesung "Wort fetzt" mit Markus Kozuh alias "Der Koschuh" vergangene Woche in der Volksschule Flirsch.

Von der Presse als "kreatives Feuerwerk" bezeichnet, sehenswert und vielseitig, ist der Tiroler Kabarettist mit seinen Poetry-Slam-Beiträgen und seinem abendfüllendem Programm längst ein viel umjubelter Gast im gesamten deutschen Sprachraum. Und das zu Recht, wie der Abend unter Beweis stellte. Gestik, Mimik, Rollenspiel und nicht zuletzt die schnelle sprachliche Fertigkeit beeindruckten die Zuhörer und zogen sie im wahrsten Sinn in ihren Bann. Für seine Darbietungen wurde Koschuh unter anderem zum österreichischen Poetry Slam Meister 2010 gekürt, hat zahlreiche (Kurz-)filmbewerbe gewonnen und und und  ...